Ein Tag als lernende/-r Industriepolsterer/-polsterin

Der Beruf Industriepolsterer /-polsterin ist in der Schweiz wenig verbreitet und doch ist dieses Handwerk unverzichtbar. Denn ohne Industriepolsterer und -polsterinnen gäbe es keine bequemen Sitzmöbel. Um dieses Traditionshandwerk zu bewahren, bieten wir jedes Jahr Lehrstellen an. Unsere Lernenden Isabelle (1. Lehrjahr) und Leandro (3. Lehrjahr) geben einen Einblick in ihren Berufsalltag.

Isabelle arbeitet momentan in der Näherei. Am besten gefällt ihr an der Abteilung, dass sie abwechslungsreiche Aufgaben ausführen kann. Dadurch lernt sie viele verschiedene Arten des Nähens kennen und wann welche Naht eingesetzt wird. Ihr Arbeitstag beginnt, nachdem sie sich eingestempelt und ihren Arbeitsplatz eingerichtet hat.

Isabelle legt gerade die Schablonen für ein Kissen auf einer Stoffrolle bereit. Der Abteilungsleiter der Näherei hat ihr zuvor Tipps gegeben, wie sie dies am besten tut. Wichtig ist, dass sie die Laufrichtung des Stoffes beachtet und möglichst wenig Reste entstehen. Nachdem alle Schnittmuster und Nähpunkte gekennzeichnet sind, schneidet sie Isabelle aus. Danach werden die Schnittmuster per Overlock versäubert und anschliessend zusammengenäht. Mit dem Zwei-Nadel-Verfahren vernäht sie schlussendlich den Bart (überstehende Stoffkanten), sodass er nicht mehr hervorsteht. Dann kontrolliert sie ihre Arbeitsschritte nochmals – und fertig ist die Hülle des Kissens.

Zu Isabelles Lieblingsarbeiten gehören die Zwei-Nadel und die Kappnaht. Bei diesen Arbeitsschritten muss sie sich nicht mehr darauf achten, dass die Stoffe genau übereinander liegen, weil sie bereits zusammengenäht sind. Wichtig ist in diesem Schritt jedoch, dass die Naht gerade ist.

Leandro hat bereits in allen Abteilungen Erfahrung gesammelt. Gerade arbeitet er in der Polsterei. Das Polstern an sich gefällt ihm in dieser Abteilung am besten, da er schlussendlich das Endprodukt vor Augen hat und sieht, welche Arbeit er geleistet hat. Sein Arbeitstag beginnt, nachdem ihm sein Ausbilder die heutigen Aufträge gegeben hat.

Gerade beginnt Leandro, einen Kundenauftrag zu polstern. Bestellt wurde das Sofa Mara in Stoff. Zuerst bezieht er die Rücken- und Armteilkissen mit deren Hüllen, die zuvor in der Näherei gefertigt wurden. Als Nächstes bezieht er die Armteile. Den Bezug heftet Leandro mit den Klammern zuerst so an, dass er sie zur Korrektur wieder leicht entfernen kann. Sobald alles passt, fixiert er die Klammern richtig. Die nächsten Schritte werden Leandro vom Berufsbildner erklärt, da er das Modell Mara zum ersten Mal polstert.

Die Montage zählt zu Leandros Lieblingsarbeiten. In dieser Abteilung montiert er alle Teile zu einem Sitzmöbel zusammen. Hier muss besonders darauf geachtet werden, dass die richtigen Materialien verwendet werden. Diese Arbeit macht Leandro gerne, weil er weiss, dass sich bald jemand auf sein neues Sitzmöbel freuen darf.

Bevor sich Isabelle und Leandro mit der Lehrstellensuche befasst haben, haben sie den Beruf Industriepolsterer / -polsterin EFZ noch nicht gekannt. Isabelle hat sich zuerst für den Beruf Raumausstatterin interessiert und ist während der Suche auf ihren jetzigen Lehrberuf gestossen. Auch Leandro hat die Lehrstellenausschreibung als Industriepolsterer zufällig entdeckt. Beide waren von der Schnupperlehre begeistert – und heute sind sie fester Bestandteil unseres Fabrikationsteams.

Das Handwerk der Industriepolsterer / -polsterin verbindet Kreativität, Präzision und handwerkliches Können. Ob in der Näherei oder in der Polsterei – jeder Arbeitsschritt ist entscheidend, um etwas zu schaffen, das Menschen Freude und Komfort bereitet.